Wissenswertes über Orientteppiche

Der älteste bekannte Teppich aus dem 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. wurde 1947 in Sibirien ausgegraben. Nach seinem Fundplatz wird er Pazyryk-Teppich bzw. Gorny-Altai-Teppich genannt. Der 183 x 200 cm große Teppich hat 360.000 Knoten pro Quadratmeter.

Er hat damit mehr Knoten als die meisten heute angebotenen Teppiche. Seine Ausführung ist von großer Schönheit. Das interessante Muster besteht aus einem

Mittelfeld mit einem Rosettenmotiv, die Bordüre enthält eine Prozession mit Hirschen sowie einen reitenden Krieger. Der Teppich wurde vermutlich im 5. Jahrhundert v. Chr.

in Armenien oder Persien geknüpft. Bei seiner Entdeckung lag er in einem Eisblock eingefroren. Er ist daher noch sehr gut erhalten. Der Teppich befindet sich heute in der Ermitage-Museum in St. Petersburg.

 

 

Pazaryk-Teppich

Pazaryk-Teppich

 

Die Historie des persischen Orientteppichs lässt sich durch Abbildungen und Schriftstücke bis weit vor das 15 Jh. zurückverfolgen. Berühmtestes überliefertes Stück ist wohl der „Frühlingsteppich des Khosrau“ .

Er war Bestandteil der Einrichtung des Ktesiphon-Palastes. Seine Länge betrug 25 m, und ins Dessin eingearbeitet waren Seidengarne, Edelsteine, Kristalle, Perlen und Goldfäden.

Der Teppich wurde 640 angeblich von arabischen Eroberern aufgeteilt, um die Kostbarkeiten einzeln veräußern zu können. Erhaltene Originalstücke aus dieser frühen Hochzeit der persischen Knüpfkunst sind leider nicht erhalten. Die frühesten Zeugen dieser Kunst entstammen dem 16. Jh., als die Safawiden in Persien herrschten.

Besonders der Schah Abbas war es, der die Landwirtschaft, den Handel und auch das Kunsthandwerk förderte. Durch das Schaffen einer Hofmanufaktur wurde das Knüpfen vom reinen Gebrauchshandwerk zum Kunsthandwerk erhoben. Am signifikantesten für den persischen Orientteppich ist sicherlich die Wandlung seiner Dessins im Laufe der Jh. Überwogen zuerst noch streng geometrische Muster aus der Zeit der mongolischen und arabischen Herrscher, wurden diese von freundlichen Blumen-Dessins in der Safawiden- Epoche abgelöst.

Ab dem 16. Jh. schufen persische Knüpfer individuelle Arabesken- und Medaillondessins. Oftmals lieferten Kunstmaler hierfür Vorlagen auf sogenannten Kartons, die in den Manufakturen verwendet wurden.

 

 

Orientteppiche sind alle im Orient, historisch als Morgenland bezeichnet, gefertigten Teppiche. Traditionell haben sich in den orientalischen Ländern sehr unterschiedliche Formen bei Teppichen entwickelt. So lässt sich aus Machart, Muster und Material die Herkunft bestimmen. 

Sarough, Tabris, Nain, Ghom, Shiraz, Kermandschah, Gabbeh, Bakhtiar, Maschad,  Ghashgai, –  die Liste der klassischen Teppichprovenienzen allein aus Persien ist lang und der Klang ihrer Namen ist.

 

 

 

Farben

 

I. Farbentypen

Die Farben für Orientteppiche wurden ursprünglich ausschließlich von Pflanzen (Safran, Indigo, Krapp, Hennablätter), natürlichen Mineralien (Karaboja, Eisenoxid, Eisenvitriol, Kupfervitriol) und Tieren (Insekten, Blut, Saft der Purpurschnecke), genannt Naturfarben, gewonnen. Seit der Erfindung der Anilinfarbe (1826) eröffneten sich der Teppichknüpferei neue Wege. Aber erst als die Farbindustrie in Europa neue, qualitätsverbessernde Herstellungsmethoden entwickelte, durfte man im Orient Anilinfarbe als Ergänzung zu den Naturfarben verwenden. Diese haben jedoch langsam den Gebrauch von Naturfarben verdrängt. Grund dafür ist die große Nachfrage für Orientteppiche, besonders in den letzten vier Jahrzehnten. Die Herstellung von Orientteppichen mit Naturfarbe wurde zu aufwendig und kostspielig und deshalb auch nahezu unwahrscheinlich, die großen Herstellungsmengen zu decken. Nur vereinzelte Nomaden verwenden nach wie vor Naturfarben. Naturfarben finden wir ausschließlich bei alten und antiken Teppichen.

 

II. Prozedur des Färbens

Die Naturwolle wird zunächst in Wasser, welchem man etwa 3 % Lauge (Seife oder Soda) zufügt, eine halbe Stunde gekocht, um sie zu säubern und zu entfetten. Anschließend wird sie 12 Stunden in ein Alaunbad (Tonderdesulfat) gelegt. Danach wird die Wolle entweder erneut 12 Stunden in ein zweites Alaunbad getaucht oder hierin eine Stunde gekocht. Durch diese Prozedur wird die Wolle für das Farbmittel aufnahmebereit. Das eigentliche Farbbad wird bereitet, indem man das aus dem Pflanzenteilen hergestellte Pulver eine halbe Stunde aufkocht. Sodann kommt die vorbereitete Wolle in das Bad und wird etwa eine halbe Stunde gekocht. Hierauf wird der Saft von unreifen Weintrauben der Zitronen zur Fixierung zugefügt. Nun wird wieder eine Stunde gekocht. Hierauf wird die Wolle im Bottich etwa 12 Stunden zum Auskühlen belassen. Je nach Farbstoff ist die Verweildauer der Wolle im Bad verschieden. Schließlich wird die gefärbte Wolle in möglichst fließendem Wasser gespült und im Halbschatten, oder bei manchen Farben in der Sonne, getrocknet.

 

Der Farbverbrauch ist nicht unerheblich. So benötigt man z.B. bei Rotfärbung mit Krapp 1 Kg für 4 Kg Wolle. Die Menge schwankt je nachdem, ob man ein helles oder dunkles Rot erzielen möchte. Das Ergebnis der Färbung ist auch je nach Wasserhärte und Wollqualität ein anderes.

 

III. Symbolik der Farben

 

Rot: Freude, Glück, Reichtum, Feuer, Mut

Wird aus Krapp (rubia tinctorum, Färberröte) aber auch aus Henna, Berberitzen und Saflor (carthamus tinctorius, Wildsafran, Färberdistel), Schildläusen und Blut gewonnen.

 

Blau: Farbe des Himmels, Pracht, Stärke, Macht und Gewalt; Trauer (dunkelblau)

Wird entweder vom indischen Indigo (Indigofera tinctoria) oder aus dem einheimischen Fäberwaid (Isatis tinctoria) gewonnen. Aus den Blättern des Fäberwaids extrahierte man erst das Indikan, das schließlich unter Einfluss des Sauerstoffs das Indigo ergab. Ein wenig lichtechtes Blau mit violetten Tönen gewannen die Färber auch aus der Maulbeere (Morus nigra) oder aus den Beeren des Faulbaums (Frangula alnus.)

 

Gelb: Lebensfreude, Farbe der Sonne

Wird aus vielen Kräutern, Früchte und Blätter gewonnen. Die frischen oder getrockneten Fruchtschalen enthalten ein Pigment, das alaungebeizte Wolle lebhaft gelb färbt. Der hohe Tanningehalt dieser Fruchtschalen erhöht die Farbstabilität. Die häufigsten Naturprodukte: Gerberstrauch, Granatapfelschalen, Safran, Färber-Ginster und -Kamille, Sammetblumenblüten, Erle. Die weiblichen Blütenstände, unreife Früchte und frische Rinde ergeben zusammen mit Alaun eine gelbe Farbe.

 

Orange: Demut, Frömmigkeit, Farbe der Derwische

Orange ist eine Mischung von Rot und Gelb, kann aber auch als ‚bronzegelb‘ direkt aus Kreuzdornbeeren unter Zugabe von Kupfervitriol oder aus Safran gewonnen werden.

 

Weiß: Unschuld, Reinheit, Sauberkeit des Herzens, Selbstlosigkeit, Befreiung von Sünden

Diese Farbe wird selten großflächig gebraucht. Sie tendiert eher zu elfenbein- oder cremefarben. Das reinste Weiß liefer Naturwolle oder Seide.

 

Braun: Farbe der Erde

Braune Farbe liefern Naturwolle, Kamel- und Ziegenhaare. Ansonsten färbt man die Wolle mit grüner Nußschale, Eichenrinde und Zwiebelschalen.

 

Schwarz: Trauer, Kummer und Tod

Naturwolle von schwarzen Schafen. Dunkle Farben, besonders Schwarz, gewinnt man aus Galläpfeln in Verbindung mit einem eisenoxidhaltigen Beizmittel. Schwarz findet sich sehr selten großflächig in Teppichen, wird meistens nur für Musterkonturen verarbeitet.

 

Grün: die Farbe des Lebens, der Pflanzen und des Frühlings.

Grün ist als Mischfarbe von Gelb und Blau, z.B. aus Isperek und Indigo gewonnen. Da Grün eine heilige Farbe symbolisiert, wird sie selten als Grundfarbe verwendet und mit Füßen betreten. Sie wird aber in vielen Schattierungen für die Ausarbeitung von Einzelmotiven genutzt.

Farbe des Propheten, der Hoffnung, des Paradieses, des Glaubens, des Erneuerns

 

IV. Abrash

 

Nomaden und Halbnomaden verwenden nach wie vor ausschließlich Farben, welche die Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung hervorbringt. Allerdings können, bedingt durch die Lebensweise dieser Stämme, immer nur geringe Menge von Wolle eingefärbt werden. Dies hat zur Folge, dass die Wolle eine uneinheitliche Farbintensität aufweist, so dass manchmal Farbnuancen in Form von Linien, Abrash genannt, in einem Teppich erscheinen. Diese Abweichungen werden fallweise als besonders reizvoll empfunden, wenn sie nicht zu häufig oder krass auftreten.

 

 

 

Feinheit

 

Die Feinheit oder die Knotendichte ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien beim Teppich, wenn auch nicht das ausschlaggebende. Die Feinheit eines Teppichs hängt im allgemeinen von der Stärke der längsgespannten Kettfäden und der Dicke des verwendeten Wollzwirns für den Flor ab. Die Knüpfdichte wird in der Anzahl der Knoten (in horizontaler und vertikaler Richtung) pro Quadratmeter gerechnet. Sie kann von 100.000 Knoten/qm bei grober Ware, bis zu 10.800.000 Knoten/qm beim feinsten aller Teppiche reichen.

 

Im Allgemeinen kann man festhalten:

sehr grob     40.000 – 80.000 Knoten/m2

grob            80.000 – 120.000 Knoten/m2

mittelfein     120.000 – 250.000 Knoten/m2

fein             250.000 – 500.000 Knoten/m2

sehr fein      500.000 – 1.000.000 Knoten/m2

extrem fein  1.000.000 – 4 Million Knoten/m2

selten fein    ab 4 Mio Knoten/m

 

 

 

Die Muster des OrientTeppichs

 

Im Laufe der Jahrtausende alten Geschichte des Teppichknüpfens hat sich durch Überlieferung eine Vielzahl von Mustern und Strukturen entwickelt; manche entstammen herkunftbedingten Traditionen, andere haben ganz bestimmte religiöse, weltanschauliche Bedeutungen und Hintergründe. In unseren Ausstellungsräumen können Sie auf einen faszinierenden Streifzug durch die verschiedensten Provinienzen und Zeitalter der Teppichkunst gehen. Hier zeigen wir Ihnen einige der wichtigsten und häufigsten Grundmuster:

 

Boteh

Ein florales Motiv, das hauptsächlich in persischen und kaukasischen Teppichen zu sehen ist. Vermutlich ist das Muster der Zypresse nachgestaltet, die dem Betrachter in zahlreichen Kunstgebieten in Persien begegnet.

 

 

Boteh

Boteh

 

Baum

Der Baum ist eines der beherrschenden Motive beim Orient-Teppich. Ob in voller Blüte oder mit Früchten behangen, Baummotive können in allen Provinienzen gefunden werden, wobei die Bäume auf kaukasischen Teppichen eher stilisiert und in Persien gegenständlich gezeichnet werden.

 

 

Baum

Baum

 

Herati

Dieses aus der historischen Stadt Herat stammende Muster besteht aus einer Rosette, die von einer Raute eingerahmt wird. Deren Tangenten sind dann wiederum von Lanzettblättern umgeben. Das klingt übrigens komplizierter, als es in Wirklichkeit ist, wie das Bild beweist.

 

 

Herati

Herati

 

 

Vase

Aus einer unaufdringlich in die Anordnung eingefügten Vase ranken bunte Blumen, Zweige, Blüten und Blätter hervor. Fachleute verstehen unter einem Vasenteppich nur jene Gattung persischer Teppiche, die im 16. & 17. Jahrhundert entstanden ist, sowie deren Nachbildungen.

 

 

Vase

Vase

 

 

 

Gebetsteppich

Eines der wichtigsten Requisiten, das der Moslem zur Ausführung seiner religiösen Pflichten benötigt. Obwohl sich Gebetsteppiche je nach Ursprung in Feinheit und Darstellung unterscheiden, haben sie doch eine Gemeinsamkeit: eine symbolische Abbildung der in Moscheen und frommen Häusern vorhandenen, Mihrab genannten, Gebetsnische.

 

 

Gebetsteppich

Gebetsteppich

 

Felder

Bei den sogenannten Felder-Teppichen ist das gesamte Innenfeld in Quadrate, Rechtecke oder auch Rauten eingeteilt. Manchmal werden Felderteppiche in der Fachsprache auch Gartenteppiche genannt, wenngleich sie vom Muster her nicht mit den tatsächlichen Gartenteppichen übereinstimmen.

 

 

Felder

Felder

 

 

Jagd

Die schönsten Teppiche mit der bildhaften Darstellung von Jagdszenen stammten aus dem 16.ten und 17.ten Jahrhundert und wurden in Persien angefertigt. Heute geknüpfte Jagdteppiche stammen meistens aus den Provenienzen Ghom, Tabriz und Isfahan.

 

 

 

 

Geometrisch

Das Geometrische entspricht der islamischen Weltanschauung im Sinne der Unterordnung aller Einzelheiten unter ein Grosses und Ganzes. Weitergegeben von der Mutter auf die Tochter, wurde diese traditionelle Teppichknüpfform mit in sich aufgebauten Mustern aus Quadraten, Rauten und Vierecken zum bildlichen Ausdruck dieses Denkens.

 

 

Geometrisch

Geometrisch

 

 

Floral

Wie der Name bereits sagt, handelt es sich hierbei um Muster aus der Pflanzenwelt, Bäume, Sträucher oder Blumen. In der persischen Teppichknüpfkunst ist diese Variante erst ab dem 16. Jahrhundert während der Safaviden-Dynastie aufgekommen. Diese Muster feinen sind für den Knüpfer eine schwierige Aufgabe, verlangen sie doch eine sehr genaue Knüpfung.

 

 

FloralFloral

 

 

 

ANTIKE TEPPICHE – EINZELSTÜCKE MIT GESCHICHTE

 

Als antik bezeichnet man Textilien, die mindestens hundert Jahre alt sind. Die alten Knüpf- und Färbetechniken und die Patina der langen Jahre verleihen diesen Stücken eine einzigartige Ausstrahlung. Hier sehen Sie eine antike Qashqai – Nomadensatteldecke aus dem Südwest-Iran. 1,11 m x 1,25 m, Anfang 19. Jahrhundert.

 

 

antik

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Mantes carpet Louvre OA6610

 

Mantes carpet Louvre OA6610

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